Die Marktreligion

12. Aug. 2019 von Antje Garrels-Nikisch

Der Glaube, dass "der Markt" so ziemlich alle Probleme löst, die Menschen so begegnen können, ist die am weitesten verbreitete Religion. Etwa kursiert die durch nichts zu beweisende Hoffnung, "aufgeklärte" Endkunden würden wie von Zauberhand das Ruder in Sachen Klimawandel und Umweltzerstörung herumreißen. Wie denkst du darüber? Meinst du wirklich, das wird passieren?

Oder zweifelst du wie ich daran, dass überhaupt klar genug ist, was "aufgeklärt" in diesem Zusammenhang bedeuten soll? Und dass wir Indikatoren hätten, die uns sicher sagen, woran zu sehen wäre, ob das Ruder herumgerissen wurde? Welches Ruder soll das eigentlich sein? Was genau ist der Hebel? Was zu tun ist "das Richtige" im Hinblick auf eine schwer einschätzbare Zukunft?

Für Markt? Dagegen? Sorry, die Frage ist Quatsch.
Ich kann mir keine Welt ohne Märkte vorstellen und käme nie auf die Idee, für oder gegen Marktwirtschaft zu sein. Ich halte uns allerdings für sicher in der Lage, Märkte im Sinne einer möglichst durchlässigen Verteilung bis in alle Ecken verbessern zu können. Die Frage ist, ob genügend Leute bereit sind, sich daran - in welcher Rolle gerade jeweils immer - zu beteiligen. Ich finde, Markt sollte ein gesellschaftliches Stoffwechselinstrument sein und ist nicht an sich anbetungswürdig.

Gute Fragen stellen, drüber reden, neue Antworten finden.
Es gibt viele gute Fragen zum Thema Markt, über die wir alle viel öfter reden sollten. Etwa diese: Was tragen "gute" Wirtschaftszahlen beispielsweise zu kurzen Arbeitswegen und kürzeren Arbeitszeiten bei? Schließlich könnte Ersteres neben vielem anderen treibhausgasintensive Kilometer abbauen und mehr körperliche Bewegung im Langsamverkehr motivieren und Letzteres die - gemessen an einem für Menschen zuträglich funktionierenden Erdsystem - zu hohe Produktivität abbauen.

Mir liegt an einer gut laufenden Erde und menschlichen Welt, in der möglichst viele von uns längerfristig orientiert und öfter rational als mythologisch über unsere gemeinsame Zukunft sprechen, ohne bei Meinungsverschiedenheiten den gegenseitigen Respekt zu verlieren.

(Bild von Kamalakannan PM auf Pixabay. Danke!)