Zuletzt lacht in diesem Fall keiner

27. Aug. 2019 von Antje Garrels-Nikisch

Sich gemeinsam zu freuen, dass die Anderen Idioten sind und sich darin wohl und sicher zu fühlen, ist bei Menschen speziesweit verbreitet. Etwa scheint es immer noch beliebt, sich gemeinsam zu freuen, dümmere Andere würden sich von - wie sie meinen - Klimawandel-Alarmismus zu weitreichenden Veränderungen im Alltagsleben verleiten lassen.

Nun stellt sich immer unmissverständlicher heraus, dass die, die sich entsprechend gemeinsam freuten, wohl falsch lagen und diejenigen, die die Lage besser eingeschätzt hatten, wenig davon hätten, sich ihrerseits sozial erhaben auf der richtigen Seite zu wähnen.

Gemeinsame Sache über andere hinweg ...
In Sachen Klimawandel und Umweltzerstörung sitzen alle im gleichen Boot: auf der Erde, die in für Menschen artgerechten Parametern laufen muss. In diesem Fall ist Othering - so nennt sich gruppenbezogenes abwertendes Verhalten kulturwissenschaftlich - keine gute Lösung, weil in wirtschaftlichen oder schlimmer noch kriegerischen Konflikten sehr schnell sehr viel Lebensraum unbrauchbar wird.

Das Gefühl, gemeinsam über Andere lachen zu können und sich geschickter zu fühlen, ist relativ harmlos, wenn Erwachsene gemeinsam darüber lachen, wie ein kleines Kind erste Versuche macht, gehen zu lernen oder Worte vorbildgerecht auszusprechen. Dies Gefühl ist ein vereinigendes Gefühl; es ist sozialer Klebstoff für diejenigen, die zusammen lachen und anfangs lacht auch das Kind (oder im schlimmeren Fall die kulturell noch fremde und deshalb bisher praktisch ungebübte Person) noch mit.

... macht hier keinen Sinn
Der evolutionspsychologischen Theorie nach sind Gefühle Mechanismen, die zu Verhalten drängen, das den realen Ahnen zuvor in der Evolution oft genug hilfreich war. Also ist anzunehmen, dass sozialer Zusammenhalt hilfreich im Wettbewerb mit konkurrierenden Gruppen gewesen war und deshalb noch heute organisch mit guten Gefühlen belohnt wird. Ob's heute Sinn macht oder nicht.

Sollen alle Menschen bei einem Anliegen, das alle Menschen betrifft an einem Strang in problemlösende Richtungen ziehen, sollten wir unserem Gefühl, andere für tolpatschiger als uns selbst zu halten, nicht nachgeben. Es wäre kontraproduktiv, um einen bevorzugten Platz auf dem Weg zum Gipfel zu rennen, wenn der ganze Hang abrutscht, auf dem wir uns mit gewisser Wahrscheinlichkeit alle befinden.

(Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay. Danke!)